Sexualität der Frau

Die Meldung

frauHamburg - Per Internet surfen sie durch die Welt, programmieren ihre Computer, kennen den Unterschied zwischen Bits und Bytes. Jugend forscht überall - nur nicht am eigenen Körper. Die Studie "Jugendsexualität '98" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt: Um grundlegendes biologisches Wissen ist es bei den meisten schlecht bestellt. "Weißt du, wann Frauen ihre fruchtbaren Tage haben?" lautete eine der Test-Fragen an 2500 Jugendliche. Nur ein Drittel der 14- bis 17jährigen wußte die richtige Antwort. 16 Prozent der Mädchen glauben zudem: "Beim ersten Mal kann nichts passieren." Und verhüten deswegen überhaupt nicht. Woran liegt's? Laut Studie wendet sich jedes zweite Kind bei Sexfragen an die Eltern. "Die bemühen sich zwar, weil sie Angst vor Aids haben", sagt Deutschlands renommierter Sexualforscher Erwin Haeberle. "Aber richtig erklären wollen sie das ihrem Nachwuchs nicht. Das ist ihnen zu peinlich." Gefordert sind laut Haeberle die Schulen - fast 90 Prozent der Jugendlichen nennen den Unterricht als Aufklärungsquelle. "Wissen wird offenbar trotzdem nicht vermittelt", sagt Haeberle. Für ihn ist Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern "in Sachen Sex ein Entwicklungsland. Überall in Europa werden Lehrer sexualpädagogisch ausgebildet, selbst auf Teneriffa kann man Sexualkunde studieren. Nur in Deutschland herrscht Fehlanzeige."

frauAuch wenn es heute in vielen Schulen Unterricht in Sexualkunde gibt, so sind dennoch die Kenntnisse über sexuelle Vorgänge bei Mann und Frau meist äußerst bescheiden. Trotz vieler Fortschritte ist Sexualität auch heute noch ein Thema, das von vielen Tabus und Ängsten durchsetzt ist. Schon Begriffe wie "Scham" (für die weiblichen Geschlechtsorgane), "Schamhaare" oder "Intimbereich" deuten an, daß hier ein Themen-Bereich angesprochen wird, über den man "eigentlich" öffentlich nicht sprechen mag. Die Medizin andererseits reduziert mit Begriffen wie "Genitalien" (Zeugungsorgane) und "Fortpflanzungsorgane" Sexualität auf die Funktion der Kinderzeugung. Kenntnisse und Wissen über Geschlechtsorgane und sexuelle Abläufe sind jedoch eine wesentliche Voraussetzung, um in einer Beziehung überhaupt ein befriedigendes und erfülltes Sexualleben zu führen.

Die weiblichen Geschlechtsorgane

Venushügel: (oder Venusberg)
jene dreieckige Körperzone oberhalb der großen Schamlippen, die ab der Pubertät mit Schamhaaren bewachsen ist und aus Fettgewebe besteht, das beim Geschlechtsverkehr als Druckpolster dient.

Große Schamlippen:
zwei dickere Hautfalten, ebenfalls mit Schamhaaren bewachsen, die dicht nebeneinander liegen und meist die übrigen Genitalien (Scheide, Kitzler) bedecken. Die großen Schamlippen besitzen viele Talg- und Schweißdrüsen, deren Absonderungen eine tägliche Reinigung erforderlich machen.

geniatalien frauKleine Schamlippen:
zwei dünne Hautfalten, die nach oben hin zusammenwachsen. Sie weisen keine Behaarung auf, sondern sind mit einem dichten Netz von Blutgefäßen und Nerven durchsetzt, wodurch sie sehr berührungsempfindlich sind

Kitzler (Klitoris):
der berührungs- und erregungsempfindlichste Teil der weiblichen Genitalien, bestehend aus einer Vorhaut und einem zylinderförmigen kleinen Schwellkörper. Der Kitzler ist im Ruhezustand etwa 2,5 cm lang, kann sich jedoch in sehr kurzer Zeit (bei sexueller Erregung) mit Blut füllen und dadurch bis zu doppelt so groß werden. Im weiteren Verlauf der sexuellen Erregung zieht sich der Kitzler hinter die Vorhaut zurück und ist nicht mehr sichtbar. Viele Frauen kommen nur durch intensive Reizung der Klitoris zum Orgasmus.

Scheide (Vagina):
etwa 7-11 cm lange röhrenförmige Öffnung, die im vorderen Teil von Muskeln umschlossen ist. Diese Muskeln sind durch sog. Beckenbodengymnastik trainierbar, wodurch beim Geschlechtsverkehr zusätzlicher Druck auf den Penis ausgeübtund damit höhere Erregung des Mannes bewirkt werden kann. Die Vagina ist überaus elastisch und kann sich nicht nur an unterschiedliche Penis-Durchmesser anpassen, sondern bei der Geburt auch an den Umfang des Kinderkopfes. Die Scheide hat nicht nur sexuelle Funktionen, durch sie fließt auch die Menstruations-Flüssigkeit hinaus, sie nimmt die männlichen Spermien auf, die dann zur Gebärmutter wandern und durch sie verläuft der Weg des Kindes bei der Geburt

Jungfernhäutchen:
bei jungen Mädchen ist der Scheideneingang teilweise (nach unten hin) vom sog. Jungfernhäutchen (Hymen) bedeckt. Bis heute ist keine besondere körperliche oder sexuelle Funktion dieses Häutchens bekannt, jedoch wurde ihm früher ungeheuer große Bedeutung als Beweis der Jungfernschaft zugemessen. Dies ist jedoch überaus fragwürdig, denn durch sportliche Betätigung, die Einführung eines Tampons oder Fingers kann ebenso wirken wie das erste Eindringen des Penis

Der "G-Punkt"

Der deutsche Frauenarzt Ernst Gräfenberg berichtete 1950 über eine erotische Zone der Frau an der Vorderwand der Vagina, die bis dahin nur wenig Aufmerksamkeit von Medizinern und Wissenschaftlern gefunden hatte. Diese nach ihm benannte "Gräfenberg-Zone" (oder G-Punkt, besser: G-Zone, englisch: G-Spot) scheint besonders empfänglich zu sein für Reizungen. Darüber hinaus berichtete er auch über besonders intensive Ejakulationen der Frau, die gerade bei Reizung dieser G-Zone auftreten. Dabei handele es sich nicht um Urin, sondern um eine besonderes Flüssigkeits-Absonderung aus Drüsen an der Harnröhre. Gräfenbergs Aufsatz fand seinerzeit auch bei Sexualforschern wie Alfred Kinsey nur wenig Beachtung und wurde erst sehr viel später wiederentdeckt. Nach heutigem Stand der Forschung scheint festzustehen:

  1. g-punkt frauBei vielen, möglicherweise allen Frauen, dies ist wissenschaftlich bislang noch strittig, gibt es tatsächlich eine solche erotische Zone. Sie liegt etwa in der Mitte entlang der Harnröhre und kann in der Scheide auch mit dem Finger erfühlt werden.
  2. Wenn diese Stelle kräftig durch Druck oder Reiben gereizt wird, tritt zunächst ein Gefühl des Harndrangs auf, das aber bald in ein Lustgefühl übergeht.
  3. Die Zone schwillt dann durch Reizung erheblich an, wird fester und erreicht eine eiförmige Ausdehnung von etwa 1,5 mal 2 cm.
  4. Vielfach erfolgt durch die Reizung der G-Zone eine besonders ergiebige weibliche Ejakulation. Dabei handelt es sich nicht um Urin (allerdings kann Urin beigemischt sein), sondern um Absonderungen aus den sog. Skene-Drüsen, die rechts und links der Harnröhre sitzen.
  5. Viele Frauen berichten, daß sie bei Reizung des G-Punkt einen besonders intensiven Orgasmus verspüren und teilweise auch mehrere Orgasmen hintereinander erleben.

Die 4 Phasen sexueller Erregung

Erregungs- Phase
Früher nahm man an, Frauen würden auf sexuelle Reize sehr viel langsamer reagieren als Männer. Dies ist jedoch falsch. Manche Frauen können bereits 15-30 Sekunden nach Erregungsbeginn einen Orgasmus haben, auch wenn dies sicher nicht die Regel ist. Zu den ersten Erregungszeichen zählt das Feuchtwerden der Vagina (die sogenannte "Lubrikation"), ohne die das Eindringen des Penis sehr schmerzhaft wäre. Die Scheide vergrößert sich dann im vorderen Teil, die Farbe verändert sich von hell- zu dunkelrot. Zugleichen schwellen die kleinen Schamlippen an und verfärben sich rot. Die Klitoris vergrößert sich, es folgt eine; Erektion der Brustwarzen. Häufig zu beobachten ist weiterhin der sogenannte "sex-flush", eine Hautrötung erst in der Magengegend, dann auf der Brust und im Nacken.

Plateau-Phase
"Plateau"-Phase bedeutet: ein bestimmtes Niveau der Erregung wird beibehalten, bis der Orgasmus eintritt. Äußere Merkmale sind: Die Rotfärbung der kleinen Schamlippen wird noch intensiver, nach einer bestimmten Zeit zieht sich die Klitoris unter ihre Vorhaut zurück und wird unerreichbar, ein noch stärkerer sex-flush tritt ein und zugleich eine Aufmerksamkeitsverengung, das heißt, äußere Reize (im Raum, in der Umgebung) werden kaum noch wahrgenommen

Orgasmus
Der Orgasmus zeigt sich durch ein plötzliches Nachlassen der Muskel- und Nervenanspannungen und ein Gefühl heftigster Lust. Die Intensität des Orgasmus ist von Person zu Person unterschiedlich, und ebenso ist bei derselben Person der Orgasmus nicht immer gleich befriedigend, sondern hängt von vielen Faktoren ab: Erregung, vorherige Enthaltsamkeit, Dauer der sexuellen Betätigung, Streß, Gesundheitszustand, Müdigkeit, Alkohol usw. Ebenso verschieden sind die Reaktionen beim Orgasmus. Einige schreien, stöhnen, wimmern, andere sind eher still und äußerlich fast fast unbeteiligt. Auch Reaktionen des Kicherns oder Weinkrämpfe beim Orgasmus sind bekannt, Körperzuckungen, Reaktionen des Festklammerns, Kneifen oder Beißen des Partners. Äußeres Merkmal sind sogenannte "Kontraktionen" (Zusammenziehen und -lösen) der "orgastischen Manschette" (das sich verengende vordere Drittel der Vagina). Meist sind 3-12 Kontraktionen im Abstand von knapp 1 Sekunde zu erleben, dann werden sie schwächer und erfolgen in größerem Abstand. Ein sehr intensiver Orgasmus ist auch wahrnehmbar an einer größeren Zahl von Kontraktionen. Bei einigen Frauen zeigt sich auch beim Orgasmus auch eine eine Ejakulation, wobei man früher annahm es handele sich um Urin, tatsächlich wird jedoch eine Drüsenflüssigkeit abgesondert.

Rückbildungs-Phase
Im Unterschied zu Männern können Frauen nach dem Orgasmus direkt wieder erregt werden und einen oder mehrere neue Orgasmen erleben. Oft tritt jedoch - wie bei Männern - auch eine sogenannte Rückbildungsphase ein: Die großen und kleinen Schamlippen nehmen dann ihre ursprüngliche Form wieder an, die Klitoris tritt wieder hervor, die Brustwarzen-Erektion geht zurück und der sex-flush verschwindet.

Ein Weg zum weiblichen Orgasmus

Naura Hayden erzählt in ihrem Buch "Wie man eine Frau befriedigt" (Heyne-Verlag), daß eine ungeheuer große Zahl von Frauen nur dann zum Orgasmus kommt, wenn sie sich selbst befriedigt oder beim Geschlechtsverkehr zusätzlich ihre Klitoris streichelt - oder streicheln läßt. Durch "Big Bang" jedenfalls (übersetzt: "der große Bums"), das rhythmische Rein-Raus des Mannes, womöglich noch mit großer Kraft und Geschwindigkeit durchgeführt, komme keine Frau zum Orgasmus, sondern täuscht ihn höchstens vor. Auch wenn Naura Hayden ein wenig übertreibt: Es ist richtig, daß die meisten Frauen erst durch eine intensive Reizung der Klitoris zum Orgasmus kommen. Zwar gibt es auch den sogenannten "vaginalen Orgasmus", der durch das Eindringen des Penis in die Vagina und die rhythmischen Bewegungen erzeugt wird, aber sehr wenige Frauen kommen so zum Höhepunkt oder nur dann, wenn man sich gerade kennengelernt hat und ohnehin sehr erregt ist.

hite frau orgasmusIm "Hite Report" (Hite Report - Das sexuelle Erleben der Frau, München 1977), der umfangreichsten Studie zum Thema Orgasmus aus den 70er Jahren, sagten 70% der Frauen, sie hätten Schwierigkeiten, beim normalen Geschlechtsverkehr mit einem Mann zum Orgasmus zu kommen. Auch eine deutsche Untersuchung (eine Umfrage des INRA-Instituts) kommt zu ähnlichen Ergebnissen: 75% der Männer haben beim Geschlechtsverkehr normalerweise auch einen Orgasmus, bei Frauen liegt diese Quote nur bei 29%. Und fast zwei Drittel der befragten Frauen (63%) sind der Ansicht, daß Männer immer noch nicht wissen, welche sexuellen Wünsche Frauen überhaupt haben. 9 von 10 Männern sind andererseits davon überzeugt, eine Frau auch fast immer sexuell glücklich zu machen und befriedigen zu können. Immer noch herrscht Unklarheit über die Bezeichnung "vaginaler Orgasmus" bzw. "klitoraler Orgasmus". Die Sexualwissenschaftler Masters & Johnson konnten jedoch schon vor über 20 Jahren durch Untersuchungen zeigen, daß der weibliche Orgasmus fast immer einer Streichelung der Klitoris bedarf.

Und wie befriedigt man eine Frau nun richtig? Naura Hayden macht folgende Empfehlung, die sicherlich nicht der allein seligmachende Weg ist, aber trotzdem lohnt, ihn einmal auszuprobieren.Sie haben das Vorspiel hinter sich, Sie sind beide erregt und nun könnten Sie eigentlich - so wie Sie es sonst auch immer tun - in sie eindringen und die "Big bang"-Nummer durchziehen, feste und tief bumsen. Diesmal jedoch nicht ! Stattdessen nehmen sie diesmal Ihren Penis in die Hand (zwischen Daumen und zwei oder drei Finger) und streicheln damit ganz langsam und zärtlich die Klitoris, den Kitzler Ihrer Partnerin. Sehr sanft und sehr langsam. In einem festen Rhythmus, aber gaaaanz langsam. Sie werden merken, wie Ihre Partnerin dadurch zunehmend stärker erregt wird.

Irgendwann wird sie dann vielleicht sagen oder Sie spüren lassen: "Komm jetzt rein!" Aber auch, wenn Sie selbst das brennende Verlangen spüren, in die Scheide einzufringen: Sie tun es noch nicht, sondern streicheln sie mit Ihrem Penis im selben Rhythmus weiter, noch ein oder zwei Minuten länger. Und dann? Jetzt führen Sie tatsächlich den Penis ein, aber bitte: auf keinen Fall in voller Länge und ganz tief. Wenn Sie auf diese Weise eindringen, gibt es eine Art Schlag auf die Klitoris und die sexuelle Erregung wird stark und abrupt gebremst. Dringen Sie nur etwa 1-2 cm tief ein und ziehen Sie den Penis langsam wieder heraus. Und wieder hinein. Und behalten Sie diese Tiefe erst mal bei. Dann, nach ein bis zwei Minuten, steigern Sie die Tiefe: immer ein ganz klein bißchen tiefer. Auch bei 3-4 cm machen sie eine Reihe sehr langsamer Bewegungen hinein und wieder heraus. Dann wieder ein ganz klein wenig tiefer.....Sie werden erleben, wie Ihre Partnerin immer stärker und immer stärker erregt wird und schließlich einen sehr sehr tiefen Orgasmus hat, ohne daß sie ganz in Sie eingedrungen sind.

Kuriositäten

pin-up-girlsPin-up-Girls
Nicht nur Künstler wie Alberto Vargas und Gil Elvgren, sondern auch andere bekannte und weniger bekannte Künstler werden hier von Michael Schultze mit ihren Pin-Up-werken vorgestellt. Pin-up-girls zierten einst Kalender, Buchdeckel, Zeitungscover, Plakate und sogar Verpackungen aller Art. Pin-ups waren zwar keine Vorläufer der "Pornographie", aber sie hatten doch Ähnliches im Sinn: die erotische Phantasie der Betrachter anzuregen. Inwieweit das heute noch gelingt, ist sicherlich Ansichtssache. Aber schauen Sie selbst einmal nach, ob die Damen auch Ihre erotischen Sinnesorgane ansprechen.