Medizin
Erektionsstörungen, Impotenz, Geschlechtskrankheiten
Zwar gibt es eine Vielzahl von Erkrankungen, bei denen der Penis betroffen oder mitbetroffen ist, wie z.B. Mißbildungen (am bekanntesten: die Phimose, eine Verengung der Vorhaut), Unfruchtbarkeit, allgemeine Störungen der Blutversorgung oder hormonelle Störungen. Am häufigsten zu beobachten ist jedoch die Impotenz, d.h. eine eingeschränkte Erektionsfähigkeit des Gliedes und Beeinträchtigungen beim Geschlechtsverkehr, auch genannt: "erektile Dysfunktion". Dabei gibt es vielfältige Erscheinungsformen:
- Desinteresse und völlig fehlendes Verlangen nach Sexualität (auch in jüngerem Alter),
- "Ejaculatio praecox": vorzeitiger, sehr schneller Samenerguß unmittelbar nach Beginn des Geschlechtsverkehrs oder auch
- "Ejaculatio retarda": zeitlich extrem verzögerter oder gänzlich ausbleibender Samenerguß,
- Erektionsstörungen: sehr frühzeitiges, schnelles Erschlaffen des Gliedes vor Ejakulation und Orgasmus oder auch völlig ausbleibende oder sehr schwache Erektion trotz sexuellen Verlangens
- Orgasmusstörungen: kein Erleben eines Höhepunkt-Gefühls trotz Erektionsfähigkeit und Ejakulation.
Ursachen der Impotenz
Die Ursachen für solche Beeinträchtigungen können sehr unterschiedlich sein, oft spielen körperliche Störungen (Durchblutung, Hormonversorgung) eine ebenso große Rolle wie Belastungen und psychische Probleme (Leistungsdruck, Versagensängste). Von Bedeutung sein können auch starker Alkoholgenuß, allgemeine Überlastungen durch Streß, körperliche Erschöpfung oder eine vorhergehende Krankheit, die Einnahme bestimmter (z.B. blutdrucksenkender) Medikamente usw. Nahezu jeder Mann war schon einmal zeitlich vorübergehend und in bestimmten Situationen "impotent", d.h. hatte keinerlei Bedürfnis nach Sexualverkehr (auch bei engem Körperkontakt mit einer Partnerin) oder hatte Erektionsprobleme oder es stellte sich keine Ejakulation und kein Orgasmus ein. Impotenz ist insofern völlig normal und nichts besonderes. Rat bei einem Arzt oder Psychotherapeuten sollte man jedoch holen, wenn dies gehäuft und über einen längeren Zeitraum von drei oder sechs Monaten oder noch länger immer wieder auftritt.
Therapie-Formen
Es gibt eine Reihe sehr unterschiedlicher therapeutischer Behandlungsmethoden, deren Erfolg heute überaus beachtlich ist und je nach Art der Sexualstörung in bis zu 90% der Fälle Erfolge aufweisen kann. Grob unterscheiden lassen sich:
- Psychotherapie
- medikamentöse Therapie
- Schwellkörper-Injektions-Therapie
- Vakuumapparate und Penisring
- Operative Therapie
Psychotherapie
Neben der Psychoanalyse spielt hier insbesondere die Verhaltenstherapie eine Rolle, die sehr stark auch auf Untersuchungen der amerikanischen Sexualforscher Masters & Johnson beruht. In dieser Therapie, die nur angewendet wird, wenn die Störung überwiegend angstbedingt ist und keine organischen Störungen vorliegen, spielt das sogenannte "Koitusverbot" eine große Rolle: Den Partnern wird am Anfang streng untersagt, Geschlechtsverkehr zu haben, gleichzeitig sollen sie sich jedoch durch Zärtlichkeiten, Küssen, Streicheln usw. sehr stark gegenseitig erregen. Zu einem Zeitpunkt, wenn dann die männliche Erektion sich in mehreren solcher Petting-Situationen als dauerhaft erwiesen hat, wird auch der Koitus selbst wieder erlaubt.
Medikamentöse Therapie
Medikamentöse Therapie wird bei eindeutigen hormonellen Störungen angewendet, die auch die Blutzirkulation und damit Erektion beeinträchtigen. Behandelt wird mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron. Teilweise werden auch Medikamente verordnet, die durchblutungssteigernd sind und als Aphrodisiaka wirken. Als Ersatz für eine Injektion in den Schwellkörper wird heute auch sehr oft das Medikament Viagra verordnet (siehe folgenden Abschnitt).
Schwellkörper-Injektion
Bei der Schwellkörper-Injektionstherapie werden vom Patienten selbst sogenannte "vasoaktive Substanzen", die also auf die Blut-Gefäße einwirken, direkt in den Schwellkörper seines Penis gespritzt. Häufig verwendet wird das Präparat Prostaglandin E1 (in der Apotheke verkauft als "Prostavasin"). Die eingespritzte Substanz bewirkt in etwa 90% aller Fälle dann eine kräftige und dauerhafte Erektion. Diese Therapie wird allerdings, da sie Ursachen der Störung außer acht läßt und eine "künstliche" Erektion bewirkt, von Ärzten und Therapeuten nur in Ausnahmefällen und für begrenzte Zeit verordnet. Heute sehr erfolgreich angewendet wird bei vielen Patienten anstelle der Injektion in die Schwellkörper des Penis die Einnahme des Medikaments Viagra, das eine ähnliche Wirkung hat.
Penisring - Vakuumapparat
Penisring und Vakuumapparat sind Erektionshilfen, die in der Praxis nur selten eine Rolle spielen. Der Vakuumapparat besteht aus einem Zylinder, der über den Penis gestülpt wird. Mit einer kleinen Pumpe wird dann im Zylinder die Luft abgesaugt und so ein Vakuum erzeugt, die wiederum eine Erektion bewirkt. Der Penisring aus Kunststoff wird am unteren Ende des Penis wie ein Gummiring angelegt und verhindert so ein zu schnelles Abfließen des Blutes in den Schwellkörpern und damit ein schnelles Erschlaffen des Gliedes.
Operative Methoden
Bei den operativen Methoden zu nennen ist zum einen die sogenannte Venen-Sperr-Operation, bei der die blutabführenden Venen im Penis operativ entfernt werden, so dass der Blutabfluß aus den Schwellkörpern nur noch sehr viel langsamer erfolgen kann. Zum zweiten spielt heute auch ähnlich wie der Herz-Bypass-Operation die Einsetzung neuer Blutgefäße (meist aus der Bauchhaut des Patienten) eine Rolle.

Aufblasbare Penis-Prothese der Firma AMS

Eine schon implantierte aufblasbare Penis-Prothese
Und zum dritten ist auch noch die Einsetzung von "Penis-Prothesen" zu nennen, kleine Stäbe, die dann die Funktion der Schwellkörper übernehmen. Diese Stäbe sind entweder fest und gleichzeitig verbiegbar, so dass der Penis nach unten oder oben gebogen werden kann (und in dieser Position auch verharrt). Oder sie sind flexibel und mit einer Pumpe aufblasbar und sorgen dann nur bei Bedarf für eine starre und nach oben gerichtete Penis-Haltung.
Geschlechtskrankheiten
Als Geschlechtskrankheiten bezeichnet man solche Erkrankungen, die überwiegend beim Geschlechtsverkehr durch Erreger (Bakterien, Viren, Pilze) übertragen werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO, die alle überhaupt vorkommenden Krankheiten in einer Liste und Systematik näher beschreibt, nennt diese Krankheiten auch: sexuell übertragene Krankheiten (STD = "sexually transmitted diseases"). Für die meisten Geschlechtskrankheiten (außer AIDS) gibt es heute sehr erfolgreiche medizinische Therapieformen. Die Behandlung übernimmt meist ein Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ein Urologe, Frauenfacharzt (Gynäkologe) oder Männerfacharzt (Androloge). Manche Geschlechtskrankheiten muß der Arzt, ohne den Namen des Patienten zu nennen, dem Gesundheitsamt melden. Die Benutzung von Kondomen senkt das Risiko einer Ansteckung ganz erheblich. Die wichtigsten Geschlechtskrankheiten sind:
Filzläuse (oder "Schamläuse"):
sehr kleine, aber noch mit dem Auge wahrnehmbare Läuse (Phtirus pubis), die sich durch Blut ernähren, meist im Bereich der Schamhaare aufhalten und dort auch ihre Eier legen. Der Befall heißt medizinisch "Phtiriasis" oder "Pediculosis". Merkmal sind starker Juckreiz und bläuliche Flecken auf der Haut durch die Stiche der Laus. Alle Kleidungsstücke, Hand- und Bettücher müssen zur Therapie desinfiziert werden, hilfreich ist auch eine Rasur der Schamhaare. Die befallenen Haut-Partien werde mit einer vom Arzt verordneten Tinktur bestrichen.
Gonorrhö oder Tripper:
die am häufigsten vorkommende Geschlechtskrankheit, wird durch Gonokokken übertragen. Symptome sind beim Mann: brennendes Gefühl beim Urinieren und eitriger Ausfluß, bei der Frau sind die Anzeichen weniger deutlich: grünlich-gelber Ausfluß, Schmierblutungen. Der Tripper wird mit Antibiotika meist erfolgreich behandelt.
Syphilis (oder "Lues"):
wird durch Bakterien übertragen und entwickelt sich über mehrere Stadien hinweg mit unterschiedlichen Symptomen. Am Anfang entsteht ein bräunlich-rotes Geschwür, das keine Schmerzen verursacht und oft unbemerkt bleibt. Im zweiten Stadium finden sich Hautausschläge, Müdigkeit und Fieber. Nach 2-5 Jahren bilden sich Knoten unter der Haut und Herz-Kreislauf und Nerven sind betroffen. Im letzten Stadium (nach 10 Jahren und später) kann es zum Befall von Rückenmark und Gehirn kommen. Die Syphilis breitete sich im Mittelalter vor allem über die Bordelle wie eine Seuche in ganz Europa aus und führte oft zum Tode. Die ersten Kondome wurden zum Schutz vor der Syphilis und nicht zur Empfängnisverhütung benutzt. Heute wird Syphilis mit Penicillin oder anderen Antibiotika meist erfolgreich behandelt.
weicher Schanker ("Ulcus molle"):
wird durch Bakterien übertragen und zeigt sich wenige Tage nach der Ansteckung in Form von Knötchen oder Geschwüren an der Übertragungsstelle. Wird mit Antibiotika oder Sulfonamiden behandelt.
venerische Lymphknoten-Entzündung:
wird durch bakterienähnliche Erreger, sogenannte Chlamydien, übertragen. Zunächst zeigen sich nur Bläschen, später schmerzhafte Schwellungen der Lymphknoten in der Leistengegend.
Herpes genitalis:
wird übertragen durch einen Virus (Herpes simplex Virus Typ 2) und äußert sich zunächst nur durch Jucken, Hautrötung und Bläschen an den befallenen Stellen (Penis, Scheide, After). Später öffnen sich die Bläschen und es können Lymphknotenschwellungen auftreten. Herpes tritt auch im Mundbereich an den Schleimhäuten auf ("Herpes simplex"). Wird Herpes nicht behandelt, besteht die Gefahr von Hirn- und Nervenentzündungen. Ärztlich werden Medikamente eingesetzt, die das Wachstum eingrenzen, zum Teil auch eine Tinktur aus Myrrhen-Extrakt.
Pilzinfektionen:
im Genitalbereich sind es meist Hefepilze, die sich beim Mann an der Eichel durch Rötung und weißliche Verfärbung bemerkbar machen. Bei der Frau treten Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und Brennen beim Wasserlassen auf. Bei der Behandlung, die beide Partner einbeziehen muß, werden Salben, Zäpfchen und Tinkturen eingesetzt.
AIDS
("Acquired Immune Deficiency Syndrome", deutsch: "erworbenes Immunschwäche-Syndrom"): wird hervorgerufen durch durch sogenannte HI-Viren. Diese verursachen eine Schwächung des Immunsystems, also der Fähigkeit, Krankheitserreger mit körpereigenen Mitteln zu bekämpfen. Das Virus befällt jene Zellen, die das Körperabwehrsystem steuern. Im Laufe der Zeit treten dann viele Infektionskrankheiten und auch Krebserkrankungen auf, die letztlich zum Tode führen. Die Übertragung erfolg durch Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder auch Muttermilch. Das Virus kann jahrelang im Körper "schlummern", ohne dass Krankheitsanzeichen sich bemerkbar machen. Erst mit dem Auftreten der Infektions-Krankheiten spricht man dann von einer AIDS-Erkrankung. Ansteckungsgefahr besteht insbesondere bei Geschlechtsverkehr ohne Kondome (an Mundschleimhäuten, Penis und Scheide, After). Der HIV-Virus kann beim Arzt durch einen Test nachgewiesen werden. AIDS wurde erstmals 1984 in den USA als Krankheitsbild entdeckt und medizinisch beschrieben. Bis Mitte der 90er Jahre waren in Deutschland etwa 60 Tausend Menschen infiziert, 20 Tausend waren an AIDS erkrankt, 13 Tausend daran gestorben. Eine völlige Heilung ist bis heute nicht möglich, jedoch kann die medizinische Therapie heute die Lebenserwartung HIV-infizierter Patienten deutlich verlängern.
