Don Juan, Casanova und andere Frauen-Helden
Don Juan und Casanova sind wohl die beiden größten oder zumindest berühmtesten Verführer und Frauenhelden der Weltgeschichte. Ginge es jedoch nur nach der Zahl der sexuellen Abenteuer, so müßte man hier die Heldengeschichten ganz anderer Leute erzählen.
Da wäre etwa der frühere amerikanische Basketball-Star Wilt Chamberlain. In seiner Autobiografie "A View from Above" (Ein Blick von oben") behauptet er, mit über 20.000 Frauen intim gewesen zu sein, darunter natürlich auch viele Groupies.
Und dann wäre da der 1953 verstorbene König Ibn-Saud von Arabien, der als König natürlich auf einen Harem von dienstbereiten Damen zurückgreifen konnte. Kenner des Königshauses meinen, er sei sexuell überaus aktiv gewesen und außer im ganz jungen und ganz hohen Alter sei er meist mit drei verschiedenen Frauen pro Nacht zusammen gewesen.
Porno-Star Holmes
Und dann ist da auch noch der Porno-Darsteller John Curtis Holmes, der bereits im zarten Alter von 12 Jahren bei einer Freundin der Mutter seine "Jungfernschaft" einbüßte. Holmes war mit einem sehr langen Penis ausgestattet, was ihn für seine Porno-Aktivitäten, für die er später etwa 3.000 Dollar am Tag erhielt, natürlich besonders qualifizierte. Man schätzt, dass er in allen seinen Pornofilmen zusammen etwa mit 14.000 Frauen Verkehr hatte. Aber die Abenteuer mit Haremsdamen sind ebenso wie die mit Groupies und Porno-Darstellerinnen eben doch etwas anderes als jene Verführungskunst, durch die Don Juan oder auch Casanova berühmt wurden.
Die Sagengestalt Don Juan
"Don Juan" - das ist heute ein Frauenheld oder Schürzenjäger, und mit "Donjuanismus" bezeichnet man die (bisweilen krankhafte und süchtige) Neigung, mit möglichst vielen Frauen sexuell zu verkehren. Don Juan soll um 1350 am Hofe des kastilischen Königs Peter gelebt haben. Ob es ihn jedoch wirklich gab, weiß man nicht genau. Im Grunde ist Don Juan eher eine Gestalt aus der spanischen Sage und tauchte später dann in sehr vielen Werken der Welt-Literatur und auch der Musik auf.
In der Sage treibt Don Juan sein sexistisches Unwesen, führt sadomasochistische Orgien durch und wird später durch eine Säule hingerichtet - die steinerne Gestalt des Vaters eines Mädchens, das sich ihm verweigerte, woraufhin er den Vater ermordete. Zum ersten Mal schriftlich erwähnt ist Don Juan dann in einem religiösen spanischen Drama des 17.Jahrhunderts "Don Juan der Wüstling". Dort wird er als absolut skrupelloser Verführer dargestellt, der auch vor Verbrechen nicht zurückschreckt, um sein sexuelles Vergnügen mit immer wieder neuen Frauen zu haben. Am Schluß des Dramas ereilt ihn jedoch die Strafe: Er wird von dem Vater einer seiner Eroberungen in die Familiengruft geführt und in die Hölle hinab gezogen.
Bekannter als in diesem Drama wurde die Gestalt des Don Juan dann durch das gleichnamige Stück des französischen Dramatikers Moliere. Dort ist Don Juan ein glaubensloser Skeptiker und Spötter, ein Atheist und Zyniker, aber er hat nichts übernatürlich Satanisches mehr. Im 17. und 18.Jahrhundert wurde der Stoff dann in zahlreichen Gedichten, Pantomimen und auch Ballett-Stücken verarbeitet. Am berühmtesten von diesen ist zweifellos Mozarts Oper "Don Giovanni". Später folgte eine weitere musikalische Bearbeitung durch Richard Strauß in der Tondichtung "Don Juan".
Auf literarischer Ebene griffen dann später E.T.A. Hoffmann das Thema auf, ebenso wie Christian Grabbe, Alexandres Dumas oder Victor Hugo. Auch noch im 20.Jahrhundert fasziniert die Gestalt des Don Juan viele Schriftsteller: Albert Camus wudmet ihm 1942 ein Essay ("Der Donjuanismus"), Jean Annouilh schreibt ein humoriges Theaterstück ("Der Herr Ornifle") und Max Frisch zeigt in seinem Stück "Don Juan oder die die Lieber zur Geometrie" die Selbstentfremdung des modernen Menschen auf.
Don Juan de Marco
Eine völlig abweichende Interpretation der Figur realisiert dann der amerikanische Regisseur Michael Kamen in seinem Film "Don Juan de Marco" (Darsteller:Marlon Brando, Johnny Depp, Faye Dunaway). Dort ist Polizeipsychiater Jack Mickler fasziniert von Don Juans Überzeugungskraft, seinen poetischen Erzählungen und seiner Leidenschaft für die Liebe und die Frauen. Hier ist Don Juan dann sehr nahe an der Figur des Casanova, der zwar unablässig und immer wieder Frauen verführt, aber nicht durch Gewalt und Verbrechen, sondern durch Charme und erotische Ausstrahlung.
Casanova - Chevalier de Seingalt
In seinen Memoiren namentlich erwähnt sind "nur" 116 Frauen, aber Historiker und Biografen schätzen, dass es wohl einige Tausend sein dürften, mit denen der "Chevalier de Seingalt", wie er damals hieß, sexuelle Abenteuer hatte. Sein Name steht heute für eine Persönlichkeit, die ständig und unaufhörlich auf der Suche nach "one-night-stands" ist. Casanova war nicht wie Don Juan skupellos bis verbrecherisch. Zwar war er bindungsunfähig und gelegentlich griff er auch zu Täuschungen und Lügen, um sein Ziel zu erreichen. Doch nie spricht er abwertend oder zynisch von den Verführten und Zurückgelassenen, er preist sie allesamt als vollendete Schönheiten und "anbetungswürdig" und vergißt sie nicht, sorgt häufig sogar für die Kinder. Ab und zu allerdings lügt und täuscht er die Frauen heftig, um sein Ziel zu erreichen.
So versprach er der jungen C.C. die Heirat, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Seine prompt darauf folgende Einladung, die Nacht mit ihm zu verbringen, lehnte sie jedoch ab: "Wir sparen uns das, bis wir verheiratet sind, nicht wahr, mein Freund?" Daraufhin schwor er in den leidenschaftlichsten Tönen, die väterliche Heiratserlaubnis noch innerhalb einer Woche zu erzwingen. Sie glaubte ihm und nun konnte er fortfahren: Warum könne das, was in wenigen Tagen vor aller Augen als kirchliches Zeremoniell vollzogen würde, dann nicht schon heute und "allein vor Gottes Augen" geschehen? Es konnte geschehen: "Meine liebe C.C. wurde mit Heldenmut mein Weib. Mit unglaublicher Schnelligkeit vergingen vier Stunden in köstlichen Verzückungen."
Casanovas Tricks
Neben seiner großen sexuellen Potenz und Ausdauer war es wohl aber insbesondere sein Charme und Humor, und auch die Fähigkeit zur raffinierten und doch glaubwürdigen Schmeichelei, die ihn bei so vielen Frauen zum Erfolg führte. Und mehr noch: Viele der von ihm eroberten Frauen waren ihm später nicht ernsthaft böse, wenn er sie nach dem Abenteuer schnöde verließ. Seine Liebe setzte keinerlei tiefergehenden Gefühle voraus, schon nach allerkürzester Zeit konnte er sich genau so unwiderstehlich und hingebungsvoll wie zuvor in ein neues Abenteuer stürzen. Marcolina, die ihn anfänglich auf einigen Reisen ganz gegen seine sonstige Gewohnheit begleiten durfte, verließ er, als ihre Bindung über alle Maßen glücklich erschien: "Unaufhörlich fragte sie mich immer wieder, wie ich mir mein eigenes Glück zerstören könne, und sie hatte recht, denn ich begriff dies ebenso wenig wie sie."
Bisweilen setzte Casanova auch seine Ausstrahlungskraft und Potenz ein, um seine durch ganz Europa führenden Reisen zu finanzieren. So auch bei einer recht alten Herzogin, die von ihm geschwängert werden wollte. Casanova schwante Böses: "Die Herzogin war schön, aber alt, und es konnte mir zustoßen, dass ich das Werk nicht vollenden konnte. Ich war 38 Jahre alt und begann zu merken, dass ein solches Unglück nicht ausgeschlossen war." Doch ein kleiner Trick half: Seine schöne und junge Gefährtin Marcolina bot ihm heimlich "durch ihre schönen Formen und Berührungen" wärend der Begattung der Herzogin ihren Beistand. Es half und Casanova wurde königlich mit Diamanten und Gold entlohnt.
Casanovas Leben
Casanova wurde 1725 in Venedig geboren. Wegen seiner umfassenden Bildung war er gern gesehener Gast in vielen Königs- und Fürstenhäusern. Als 16jähriger wurde er Doktor der Rechtswissenschaften und erhielt in Venedig die niedere Priesterweihe. Ein Venetianer, dem er das Leben rettete, adoptierte ihn, aber ihn zog es weiter nach Paris, wo er Lotterieeinnehmer des Königs wurde. Über Dresden, Prag und Wien kehrte er in seine Heimat zurück. Dort wurde er 1755 verhaftet und in die berüchtigten Bleikammern gebracht, wo ihm nach 15 Monaten eine abenteuerliche Flucht gelang. Über London reiste er weiter nach Berlin, wurde dort Friedrich dem Großen vorgestellt, in Warschau von König Poniatowski empfangen. Der Papst schlug ihn zum Ritter des Goldenen Sporns, Zarin Katharina II. fand seine Gesellschaft überaus anziehend. Er traf Voltaire und Rousseau, Winkelmann und Haller. Casanova beherrschte sieben Sprachen und verfaßte philosophische Aufsätze und Theaterstücke. Er starb 1798 völlig verarmt im böhmischen (heute tschechischen) Dux. In den acht Jahren vor seinem Tod hatte er wie besessen als Bibliothekar eines Grafen seine Memoiren verfaßt, die "Geschichte meines Lebens", mehr als 5.000 Seiten in über einem Dutzend Bänden, die heute eine sehr präzise und umfassende historische Quelle über die Sitten im 18.Jahrhundert sind.
Über sich selbst schreibt er: "Der Kultus der Sinneslust war mir immer die Hauptsache: Niemals hat es für mich etwas Wichtigeres gegeben. Ich fühlte mich immer für das andere Geschlecht geboren. Daher habe ich es immer geliebt und mich von ihm lieben lassen, soviel ich nur konnte. Auch die Freuden der Tafel habe ich leidenschaftlich geliebt." Und die Freuden des kultivierten Essens sind nicht selten bei ihm das Vorspiel zu weiteren Genüssen. Daß er täglich 50 Austern für seine Potenz aß, wie auf einer Website über ihn zu lesen ist, ist blanker Unfug. Aber dass Austern zu seinen Lieblingsspeisen zählten, beschreibt er selbst einige Male.
Aus den Memoiren - Ein Auszug aus Casanovas Memoiren
"Dann schickte ich den Kellner fort. Ich bereitete einen guten Punsch, den ich durch eine Flasche Champagner spritzig machte. Nachdem wir fünf oder sechs Austern gegessen und Punsch getrunken hatten, über den die beiden Mädchen laut jubelten, so gut schmeckte ihnen dieses Getränk, verfiel ich darauf, Emilia zu bitte, sie solle mir eine Auster in den Mund schieben. Sie sind zu klug, fügte ich hinzu, um sich dabei etwas Böses zu denken!" Die Mädchen folgten seinem Wunsch und die Bissen wurden von Mund zu Mund ausgetauscht. "Mir war heiß. Ich konnte es schließlich nicht mehr aushalten und mußte meinen Rock ausziehen, und auch sie schnürten ihre Kleider auf. Sie ließen mich die Schönheit ihrer Brüste bewundern, deren Anblick mich bezauberte. (...) Als ich eine Auster an Emilias Lippen führte, fiel diese durch einen Zufall mitten in ihren Ausschnitt. Sie wollte sie herausholen, doch ich beanpruchte dieses Recht für mich. Sie mußte sich fügen, sich von mir aufschnüren zu lassen und gestatten, dass ich die Auster mit den Lippen aus der Vertiefung holte, in die sie gefallen war. Dabei blieb ihr nichts übrig als sich völlig entblößen zu lassen."
