Pornografie

Die Meldung: Deutsche gegen Pornografie im Internet

Eine große Mehrheit der Bevölkerung lehnt in Deutschland ebenso wie in den USA und in Australien Rassismus und Pornografie im Internet ab. Diese Inhalte sollten vor allem auch wegen der Kinder vom Computer ferngehalten werden, sofern dies technisch möglich ist. In einer Allensbach-Umfrage ist aber auch zu erkennen, dass die Schamschranken in verschiedenen Ländern unterschiedlich sind. Während die Mehrheit der Bevölkerung in den USA Darstellungen nackter Körper vermeiden möchte, erwecken freizügige Bilder in Deutschland seltener Anstoß. Nur 13 Prozent der deutschen, aber 43 Prozent der amerikanischen Bevölkerung möchten Nacktheit im Internet generell vom Monitor verbannen.

Bei gesetzlich verbotenen Inhalten wie Kinderpornographie fordert eine große Mehrheit die Einschaltung der Justiz: 79 Prozent der amerikanischen und 86 Prozent der deutschen Bevölkerung plädieren für eine Ausweitung polizeilicher Kontrollen und für Strafverfolgung im Internet. Allerdings sind große Zweifel da, ob mit solchen Maßnahmen dem Mißbrauch im Internet wirksam entgegengesteuert werden kann: 60-70% (je nach Land) meinen, mit polizeilichen Kontrollen allein könne man das Problem nicht in den Griff bekommen.

Hintergrund-Infos: Pornografie

PornografieDer Begriff "Pornografie" (Kurzform: Porno) ist abgeleitet vom griechischen Wort "porne" (Hure) und bedeutet wörtlich übersetzt "Darstellung von Huren". Damit gemeint sind Bilder, Texte oder Filme sexuellen Inhalts, die von der Rechtsprechung und von der Bevölkerung (oder einzelnen Gruppen) als "schamverletztend", "unsittlich" oder "obszön" empfunden und bewertet werden.

Im deutschen Gesetzeskommentar werden Darstellungen als pornografisch bewertet, die "ausschließlich oder überwiegend auf die Erregung eines sexuellen Reizes beim Betrachter abzielen und dabei die im Einklang mit allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstands eindeutig überschreiten". Der Kommentar macht bereits deutlich, dass die Einschätzung, ob etwas pornografisch ist oder nicht, sich von Gesellschaft zu Gesellschaft erheblich unterscheidet und auch in der Geschichte Veränderungen aufweist. Eine eindeutige Grenzziehung zwischen erotischen, sexuellen und pornografischen Darstellungen gibt es nicht.

erotischer KunstNoch bis vor wenigen Jahren war zumindest die Unterscheidung von "erotischer Kunst" und "Pornographie" eindeutig: Ein Roman oder ein Gemälde, die als Kunstwerke anerkannt waren, konnten danach, auch wenn sie sehr freizügige und aufreizende sexuellen Handlungen darstellten, nicht als "pornografisch" bewertet werden. Um die Begriffsverwirrung zu vollenden, stellte dann jedoch das Bundesverfassungsgericht im Jahre 1990 fest "Ein pornographischer Roman kann Kunst im Sinne von Artikel 5, Absatz 3, Satz 1 des Grundgesetzes sein." Damit kann auch Kunst pornografisch sein und die Verbreitung unter bestimmten Umständen strafbar.

Wesentliche Merkmale von Pornografie sind zumeist:

Pornografie und Kunst

Pornografie und KunstKünstler standen auch noch in unserem Jahrhundert immer wieder wegen der Verbreitung von Pornografie vor Gericht und ihre Arbeiten wurden verboten oder beschlagnahmt. Wenig bekannt ist auch, dass viele der bedeutendsten Maler unseres Jahrhunderts Motive darstellten, die unter die Rubrik "Porno" fallen könnten: Picasso zeichnete eine masturbierende Frau mit weit aufgerissener Vagina, Rodin lesbische Frauen beim Sex. Schiele, Klimt, Grosz, Dali und viele andere stellten mehr als einmal sexuelle Handlungen in ihren Arbeiten dar. Und nicht selten traf sie der Arm der Justiz.

Pornografie und Kommerz

Pornografie ist heute ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor und eine Industrie, in der gewaltige Umsätze gemacht werden. Nach Recherchen der Zeitschrift EMMA wurden Anfang der 90er Jahre allein in den USA mit pornografischen Artikeln ein Umsatz von über 7 Milliarden Dollar gemacht, der heute etwa 2-3mal so hoch sein dürfte. In Dänemark ist Pornografie uneingeschränkt freigegeben: Die Porno-Industrie dort ist der drittwichtigste Industriezweig (nach Landwirtschaft und Möbelindustrie).

Im Internet wird ein Großteil aller Einnahmen durch Online-Commerce auf Sex- und Porno-Seiten gemacht. Nach der Studie "Adult Content" (Inhalte für Erwachsene) beruhen 69 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche E-Commerce auf Porno-Produkten. 1998 sollen 1,4 Milliarden Dollar für kostenpflichtige Inhalte des Internet ausgegeben worden sein, davon rund 1 Milliarde für Sex-Bilder. Teresa Orlowskis Firma "VTO" produziert 22 Hardcore-Filme im Monat und macht rund 20 Millionen Mark Umsatz im Jahr. Die beiden größten deutschen Produktionsfirmen Videorama und Magma machen ca. 80 bzw. 70 Millionen Mark Umsatz pro Jahr. Nach einem Bericht der Berliner Zeitschrift ZITTY "leben über 10.000 Menschen in Deutschland vom Pornogeschäft, ob vor der Kamera oder hinter dem Ladentisch. Geschätzter Jahresumsatz 1996: 810 Millionen Mark.

1962 eröffnete Beate Uhse den ersten Sexshop der Welt. Jetzt wurde die erste Erotik-Aktie Europas von ihr herausgebracht. Die Beate-Uhse AG ist bundesweit mit 50 Sex-Shops (weitere 87 Läden werden in Lizenz im In-und Ausland geführt), einem Versandhandel, Kinos sowie vielen Erotik-Angeboten im Internet das größte deutsche Sex-Unternehmen. In Zukunft sollen im Inland pro Jahr 3-5 Läden, im Ausland 10 eröffnet werden, nachdem 1998 der Umsatz um ein Drittel auf 168 Millionen DM gestiegen ist. Die Internet-Seite wird nach Auskunft der Besitzer monatlich rund 3,3 Millionen Mal besucht und ist die drittpopulärste deutsche Adresse.

Pro und Kontra

Die Meinungen zur Pornografie, über eine weitere Freigabe oder Verbote, über ihre sozialen und psychologischen Auswirkungen sind auch heute noch gespalten. Ganz besonders heftig wurde die Diskussion jedoch Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre in Deutschland geführt, als Alice Schwarzer in ihrer Zeitschrift EMMA eine breite Kamagne "PorNO - Frauen gegen Pornographie" in Gang setzte. Damals wurde in einer Vielzahl von EMMA-Artikeln versucht, auf Probleme hinzuweisen wie u.a.:

Für Porno-Gegner sind diese Argumente auch heute noch gültig, ein weiteres, schwergewichtiges Argument ist für sie jedoch hinzugekommen: Auswüchse wie etwa Sex mit Kindern oder Sex-Tourismus sind erst möglich geworden durch ein öffentliches Bewußtsein, das "normale" Pornographie schon als selbstverständlich hinnimmt.

Befürworter von Pornografie oder Gegner weiterer staatlicher Verbote verweisen demgegenüber auf Selbstbestimmungsrechte und darauf, dass der Staat nicht im Schlafzimmer von Bürgern herumzuschnüffeln hat. Überdies seien pornografische Darstellungen nichts Künstliches und den Menschen Auferzwungenes, vielmehr seien Porno-Szenen sehr häufig auch ganz normale Bestandteile sexueller Phantasien und Träume. Pornografie könne sogar bei Paaren, deren Sexualleben durch Gewöhnung völlig unbefriedigend geworden ist, zu einer Belebung und größeren Zufriedenheit führen.

PornografieBisweilen wird auch auf die Ventil- oder Hygienefunktion hingewiesen, die Pornografie ähnlich wie Prostitution habe, und die dazu beitragen könne, dass sexuelle Spannung und Erregung nicht in Gewalt und Aggression umschlage. Hier wird also das Argument der Frauenbewegung "Ständiger Konsum von Porno führt zu höherer Bereitschaft zu sexueller Gewalt" genau umgekehrt.

Der Forschungsstand in dieser Frage ist bislang recht unbefriedigend, da es insbesondere an Untersuchungen mangelt, die über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgt haben, wie sich regelmäßiger Porno-Konsum auswirkt. Daß ein häufiges Betrachten von Porno-Bildern oder Videos sich auch in erhöhter Aggression gegenüber Frauen und gewalttätigem Sex niederschlägt, dafür gibt es bis heute jedoch keine Hinweise. Allerdings scheint bei Männern, die bereits ein sehr frauenverachtendes Menschenbild haben, regelmäßiger Porno-Konsum zu einer Verstärkung dieser Einstellung zu führen.

In einer repräsentativen deutschen Langzeitstudie (Befragung von rund 9.600 Männern und Frauen) über einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr konnte Henner Ertel ("Erotika und Pornographie", München 1990) folgende Ergebnisse herausfinden:

Rechtliche Aspekte

Juristisch unterschieden wird zwischen weicher und harter Pornografie. Letztere betrifft sexuelle Handlungen mit Kindern oder mit Tieren. Während die Verbreitung harter Pornografie grundsätzlich und immer verboten ist und mit Gefängnis- oder Geldstrafen bedroht wird, gilt dies für weiche Pornografie (alle übrigen sexuellen Darstellungen) nur dann, wenn sie auch Jugendlichen unter 18 Jahren zugänglich gemacht wird.

Der Gesetzestext: 184 Verbreitung pornographischer Schriften (Auszug)

(1) Wer pornographische Schriften

wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine pornographische Darbietung durch Rundfunk verbreitet.

(3) Wer pornographische Schriften, die Gewalttätigkeiten, den sexuellen Mißbrauch von Kindern oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren zum Gegenstand haben,

wird, wenn die pornographischen Schriften den sexuellen Mißbrauch von Kindern zum Gegenstand haben, mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, sonst mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.